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Veranstaltung: Sibyllen & Propheten

Sibyllen & Propheten
Lesung und Konzert mit Katharina Hacker & Hendrik Jackson
Wie macht der Satz das, das er darstellt? – Schau doch hin. Aber wie macht der Satz das, das er darstellt? – Schau doch einfach hin, es ist ja nichts verborgen. (Ludwig Wittgenstein) Und doch: wie macht der Satz das? und wieso vergessen wir so oft, dass der Satz überhaupt etwas macht, denken viel eher, er bilde ja bloß leichthin ab, gehöre ganz und gar zu dem, was da beschrieben, und anderes eben nicht, ein anderes Wort etwa komme nun einmal nicht vor… Ein leidenschaftliches Plädoyer füge ich in unbotmäßiger Kürze ein: dass die menschliche Freiheit sich ihrer sicher sein kann, weil wir Sätze nicht aus der Welt entnehmen. – Weil wir den Dingen und Sachverhalten (und Menschen!) die Sätze nicht abziehen wie eine Haut. Jeder Satz ist eine Entscheidung. Manchmal ist ein Satz eine Entscheidung, deren Folgen wir uns vornehmen, ohne sie genau zu kennen: diese grammatische Möglichkeit ist die Negation. Ich werde nicht klein beigeben. Ich werde nicht an die Determiniertheit des Menschen glauben. Ich werde nicht verzweifeln, weil ich befürchte, die Zukunft sei düster, weil ich über syrische Gefängnisse gelesen habe, weil das Leid der Menschen im Süd-Sudan unerträglich ist, weil noch immer Zivilisten in Mossul zwischen den Fronten stecken, weil hier sich Menschen erlauben, andere Menschen zu verachten. (…) Gerade jetzt sind Schreibende nützlich, denn wir wissen, was für ein komplexes, erstaunliches Ding eine Beschreibung ist, wieviel darin steckt an Wille, an Vorurteil, an Sprachverfallenheit, an Faulheit womöglich. Und an Möglichkeit. Wir können und müssen darauf aufmerksam machen, wo gefälscht, betrogen, manipuliert, vereinfacht wird, – gut. Mehr noch sind wir dazu da, die Grenzen der Sprache, die sich verengen wollen im Gebrauch, immer wieder sacht zu dehnen, auszuweiten –. (…) Schriftsteller, Künstler sind allemal dafür zuständig, die Welt, unsere Empfindungsmöglichkeiten, Denkmöglichkeiten reicher und mannigfacher zu machen. Womöglich sind wir Menschen überhaupt zuständig für Mannigfaltigkeit, was, ernst genommen, allerdings gewaltige Konsequenzen hätte.
Veranstaltungsdetails

Datum: Mi. 08.11.2017
Uhrzeit: 20:00 Uhr - Ende offen
Rubrik: Lesungen
Ort: Münster
Location:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz  10
48143 Münster

Telefon: 0251/59 07 201
Fax: 0251/59 07 21 0

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